Gewässerschutz 2

Im Pfäffikersee sind immer noch zuviel Pflanzennährstoffe (Dünger). Mit dem Sonnenlicht und dem Dünger (NPK) entwickeln sich mikroskopisch kleine Pflanzen (Phytoplankton), die langsam in die Tiefe sinken und zerfallen. Der Verbrauch von Sauerstoff ist immer noch so gross, dass bereits im Sommer der gesamte Vorrat in der Tiefenschicht aufgebraucht ist. Der Vorgang ist derselbe wie im Garten: je mehr Dünger, desto grösser das Gemüse. Nur ist im Pfäffikersee kaum eine Ernte vorgesehen und die Pflanzen verfaulen im See. Kleinkrebse (Wasserflöhe) fressen einen Teil der Algen und werden von kleinen Fischen gefressen. Die Nahrungskette vom fressen und gefressen werden, geht weiter zu Egli und Hecht. Am Schluss dieser Kette steht der Mensch (Fischer).

Nahrungskette:
Nahrungskette mit hüpfendem Wasserfloh

 Funktionschema der Zirkulationshilfe:

Zwangszirkulation

Der Pfäffikersee wird während im Winter mit Pressluft umgerührt. Dabei wird Sauerstoff hauptsächlich an der Oberfläche und teilweise direkt mit den aufsteigenden Luftblasen eingetragen.
Andere Gase verhalten sich komplizierter.

Durchspülung des Sees:
Der Hauptzufluss strömt zwar in der Nähe des Auslaufs in den See. Nach der reinen Lehre der Physik (die Drehung der Erde erzeugt im Zustrom eine Corioliskraft) wendet sich der Zufluss im See nach rechts, bis er auf das Ufer trifft. Dort strömt er dem Ufer entlang (d.h. mit dem Umweg über Pfäffikon) bis zum Auslauf. Weitere physikalische Vorgänge unterstützen diese Kreiszirkulation des Seewassers im Gegenuhrzeigersinn. Damit ist der Pfäffikersee beinahe ideal durchspült. Soweit die reine Lehre. Eine realistischere Betrachtung ändert nichts am Grundprinzip, fügt aber noch Vorgänge wie Mischung (horizontale und vertikale Dispersion) als auch den vertikalen Dichtegradienten hinzu. Zudem ist der See ein dreidimensionales Gebilde, in welches sich die Flüsse je nach Jahreszeit und Wasserführung (beides verändert die Dichte des Flusswassers) verschieden tief einschichten.
Der Auslauf saugt zusätzlich zum Oberflächenwasser auch tieferes Wasser an, womit die Auslauftemperatur im Sommer (während den Arbeitstagen) immer tiefer ist als die Oberflächentemperatur des Sees.

Seeströmung Pfäffikersee, nach Theorie

Theoretische zufluss-getriebene Seeströmung im Pfäffikersee, 6000-facher Zeitraffer.
Daneben treibt der Wind weitere Strömungen an, welche überlagert werden.Das wirkliche Muster ändert daher häufig .

 

Ein Beitrag zur Geschichte der Seensanierung:
Aufgrund von Privatiniative und privater Finan- zierung von Hr. Müller, Dietlikon, wurde eine Belüftung entwickelt und eingebaut. Die interne Belüftung lief vom 15. Aug.1958 mit Unterbrüchen im Winter und wurde am 24.Okt. 1962 endgültig abgestellt. Sie bestand aus einer grossen Röhre, aufgehängt an Bojen, welche Tiefen- wasser ansaugte, mit einem Luftblasenstrom belüftete und an der Oberfläche wieder entliess. Der eigentliche Belüfter war ein Seger’sches-“Luftrad”. Ein Propeller sollte noch die Verteilung und Lösung des Sauerstoffs verbessern. Diese Idee wurde verbessert und kam in der Wahnbachtalsperre in erfolgreichen Einsatz (H.Bernhardt).
Die Abbildung zeigt den einzigen, mässigen Erfolg der Belüftung. Sie hat zwar den Sauerstoffinhalt in der tiefen Schicht erhöht (güne Linie), war aber nicht in der Lage, den Sauerstoffschwund über Grund aufzuhalten (Daten AWEL).

Belüftung 1958-62 Pfäffikersee
Die Linien entsprechen den Jahresmittelwerten der Sauerstoffinhalte von zwei Schichten im See. Die blauen Marken bezeichnen die Zeit mit weniger als 70 Tonnen Sauerstoff im Tiefenwasser. Die schwarzen Balken (oben in der Abbildung) sind Betriebszeiten der Belüftung.

Das Müller’sche Gerät hat nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe angesaugt und angereichert mit Sauerstoff an die Oberfläche gebracht, was die Produktion von Algen erhöhte. Die damaligen Diskussionen in der Fachwelt über Erfolg oder Misserfolg waren ziemlich vehement. Die Verbesserung von Prof. H- Bernhardt (er war am Pfäffikersee und hat die Anlage besichtigt) war,  dass er das Wasser an der Oberfläche weiter mit Sauerstoff anreicherte, dann aber wieder in die tiefen Schichten zurückbrachte. Statt einem Rohr hat er zwei Röhren verwendet, eines mit aufsteigendem Wasser mit Luftblasen, eingeleitet in ein Becken an einem Floss mit Luftkontakt und dann das andere Rohr mit dem absteigenden Wasser als Rückleitung in die Tiefe. Diese Bauweise vermied die sommerliche Düngung des Sees. Zudem werden Übersättigungen der Gase vermieden. Der Wirkungsgrad (kg Sauerstoff pro Kilowatt-Stunde) ist bei diesem Anlagetyp variabel und abhängig vom Zustand des Sees..
Einige Boots-Sportfischer waren glücklich, sie wussten damals, wo die Fische sind - nämlich beim Belüfter.