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Protokoll der Generalversammlung vom 1. Juni 2006

Anwesend: 30 Personen

Begrüssung durch den Präsidenten Dr. P. Perret.
Frau Susanne Komenda-Zehnder, Biologin, führte uns in die Faszination des Vogelzuges ein.
Der Vogelzug, also das Beziehen von Sommer- oder Winterquartieren der Zugvögel ist bereits seit gut 40 Jahren ein Thema intensiver Forschung mit modernen Methoden. Daraus lassen sich gewisse Rückschlüsse ziehen, es gibt jedoch noch keinen direkten Beweis für die Verbreitung der Vogelgrippe durch Zugvögel.

Folgende Traktanden werden durch die Anwesenden einstimmig angenommen:
 - das Protokoll der GV vom 2. Juni 2005
 - der Jahresbericht des Präsidenten
 - die Jahresrechnung 2005
 - der Revisionsbericht 2005
 - die Entlastung des Vorstandes.

Wahl auf zwei Jahre eines Einzelmitgliedes des Vorstandes:

Nachdem Paul Meier als Mitarbeiter der kantonalen Fachstelle Naturschutz in den Ruhestand getreten ist und nicht mehr für den Kanton im Vorstand ist, hat er sich bereit erklärt, sich als Einzelmitglied in den Vorstand wählen zu lassen. Wird einstimmig gewählt.

Die Jahresbeiträge von Fr. 10.– bzw. Fr. 30.– bleiben unverändert.

Orientierung über Stand des Projektes Beobachtungsturm.

Der Vorstandsausschuss beauftragte Jansen Architekten AG in Uster um die Ausarbeitung eines Projektes. Leider sind bis heute keine Unterlagen abgeliefert worden, sodass nichts Näheres erläutert werden kann.

Die nächste GV findet am Donnerstag, den 7. Juni 2007 statt.

Pfäffikon, den 20. Juni 2006        Für das Protokoll: R. Mettler

 

Mitgliederbestand per 31. Dezember 2006
Gemeinde Pfäffikon        159 Mitglieder
Gemeinde Seegräben     16 Mitglieder
Gemeinde Wetzikon       124 Mitglieder
Auswärtige                   110 Mitglieder
Total Bestand                409 Mitglieder

 

Naturnahe Gestaltung am Pfäffiker Seequai

Das Bewusstsein für den Wert freigehaltener, naturnaher Räume und für das Öffnen von verdolten und kanalisierten Fliessgewässern auch im Siedlungsraum wächst. Die Öffentlichkeit ist bereit, dafür Finanzen einzusetzen. Pfäffikon liefert dazu ein weiteres gutes Beispiel.
In der Bevölkerung formierte sich ab dem Jahr 2000 Widerstand gegen eine geplante, massive Überbauung am Seequai auf dem Areal der stillgelegten Drechslereifabrik Bietenholz. Zwei Initiantengruppen forderten einen Gestaltungsplan, bzw. einen freien Blick vom Kirchhof auf den See, eine Verbreiterung des Seequais sowie die Bildung eines Erholungsraumes auf dieser Fläche. Die Realisierung dieses Anliegens setzte den Kauf des gesamten Areals durch die Gemeinde voraus. Der deutlichen Zustimmung zu den beiden Initiativen an der Gemeindeversammlung vom 23. September 2002 folgten zwei Jahre Diskussion um die Finanzierbarkeit am «Runden Tisch», die schliesslich zu einem Kompromissvorschlag mit dem Teilverkauf einer Fläche von 1000m2 und der Liegenschaften führte. Die Gemeindeversammlung vom 20. September 2004 stimmte dem Vorschlag zu und ergänzte ihn mit einer naturnahen Gestaltung und der Einrichtung einer Ruderalfläche auf dem der Gemeinde verbleibenden Gebiet. An der Urnenabstimmung vom 28. November 2004 wurde der hohe Kredit von 4,555 Mio. Fr. dafür ebenfalls sehr deutlich angenommen.

Die vom Gemeinderat daraufhin eingesetzte, gesellschaftlich breit abgestützte Arbeitsgruppe beleuchtete in einer Gesamtschau die Entwicklungsmöglichkeiten der gemeindeeigenen Freiflächen am See. Der Schlussbericht der Arbeitsgruppe Frei-/Ruderalfläche/Seequai, verabschiedet vom Gemeinderat am 13. Dezember 2005, bildet die Leitlinie für die angestrebte Entwicklung und hält u.a. fest:

( Bild)
Die mehr als 100-jährige Drechslerei Bietenholz, Seequai Pfäffikon ZH, abgebrochen im Dezember 2006.      Photo Reto Wild

Die Seeuferanlage von Pfäffikon ZH besteht aus drei grundsätzlich verschiedenen Teilen:
An den natürlichen Ufern können sich Tier- und Pflanzengesellschaften weitgehend ungestört entwickeln.
In den naturnahen Bereichen (neue Freifläche mit Bach und ehemaligem Fischzuchtareal) ist eine naturnahe – nicht unbedingt ursprüngliche – Flora und Fauna vorhanden, und wird vom Menschen zur beschaulichen Erholung genützt. Es soll Information, Wissen und Verständnis für die natürlichen Lebensräume am Pfäffikersee vermittelt werden (z. B. Infotafeln, Beobachtungspunkte usw.). Ein Miteinbezug der Bevölkerung bei der Erstellung und Pflege der Anlage ist wünschenswert.
In den künstlichen Uferbereichen (Seequaianlage, Heimatmuseum, Werft, Festwiese) finden verschiedenste intensive respektive extensive Erholungsaktivitäten statt. Pflanzen und Tiere entwickeln sich je nach Nutzungsintensität.

Zukünftige Entwicklung
Inzwischen sind die Liegenschaften und der bebaubare Grundstücksteil verkauft.
Die nächsten Schritte sind nun die naturnahe Gestaltung der Freifläche als Ruderalfläche für die Bevölkerung sowie die Öffnung und Revitalisierung des Dorfbachs westlich der Kirchenmauer mit dem an der Gemeindeversammlung vom 27. März 2006 bewilligten Kredit von Fr. 379 000. Der Kanton unterstützt die Bachöffnung mit 5 % der Kosten.
Zusätzlich wird vom Gemeindebudget Fr. 150 000 eingesetzt für die Aufwertung des Seequais (Entfernen von Asphaltbändern und veralteten Möblierungselementen; Verbreiterung um 5 m, neuer Kiesbelag, neue Bänke aus naturbelassenem Holz).

Was ist eine Ruderalfläche?
Eine Ruderalfläche entsteht dann, wenn bei einer sog. (Natur-)Katastrophe, einem Bergsturz oder einer Überschwemmung, die oberste biologisch gewachsene Decke (Pflanzen samt Humus) weggerissen wird, und das darunter liegende Gestein (Blöcke, Steine, Kies, Sand) zutage tritt.
In diese tote Fläche werden aktiv und passiv (durch Wind, Wasser) Tiere und Pflanzen(-Samen) und Kleinstlebewesen einwandern und sie besiedeln. Einige vermögen dies besser als andere, so z. B. Weiden, die aus einem abgerissenen, am Ufer angeschwemmten Ast Wurzeln schlagen können. Diese Pionierpflanzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in kargen Verhältnissen zurecht kommen. Sie wachsen schnell, kommen zur Blüte und bilden viele, kleine und leichte Samen, so die Küchenschelle, die Färberkamille, die Karthäusernelke, auch viele Kreuzblütler. Sie haben (langfristig gesehen) nicht viel Zeit! Sobald nämlich wieder eine Humusschicht (dank abgestorbener Pflanzen) entstanden ist, werden sie von Pflanzen verdrängt, die dieses fettere Angebot nutzen können, meist langsamer, aber ausdauernder wachsen und damit konkurrenzstärker sind. Die Strategie der Leichtgewichte ist, einen neuen, auch entfernt liegenden, mageren Platz zu finden. Die meisten ihrer Samen werden verloren sein.
Mit diesen Spezialisten für die Erstbesiedlung beginnt die Sukzession, eine immer wieder ähnlich ablaufende Abfolge von Besiedlungsstadien, die im Reifestadium ihre Kulmination finden, in Mitteleuropa z. B. einem alten Laubmischwald. Zwischenstadien sind u.a. eine Magerwiese oder die Vergandung (Verbuschung einer Fläche).

Warum eine Ruderalfläche?
Ruderalflächen (wie die ebenfalls nährstoffarmen Moore) bieten lichtbedürftigen und an magere Standorte angepassten Pflanzen und Tieren Entfaltungsmöglichkeiten. Sie verdienen unsere Beachtung und Pflege, weil sie in unserer überbearbeiteten und überdüngten, voll ausgenutzten Landschaft kaum mehr geduldet sind. Entsprechend ist den ihnen zugehörigen Pflanzen und Tieren die Lebensgrundlage entzogen. Zauneidechse, Blindschleichen, Erdkröten und Laufkäfer werden zu Seltenheiten, und in der Folge auch Vogelarten, die sich von ihnen und anderen Kleinlebewesen ernähren. Die rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten wird lang und länger. Diese Wahrnehmung des schleichenden Verlusts führte zur Trendwende: Bahnborde (in den letzten Jahren von der SBB nicht mehr mit Pestiziden bearbeitet!), stillgelegte Kiesgruben, Schuttplätze (lat. rudera: zerfallendes Gemäuer, verwandt dem deutschen rud, rüd(-ig), roh) erhalten erhöhte Aufmerksamkeit, werden mehr und mehr als bereichernde Elemente in der verarmten Landschaft eingeschätzt.

Dynamisches Gestaltungskonzept
Der naturnahen Gestaltung der Freifläche am Pfäffikersee liegt ein dynamisches Konzept zugrunde: Das Interesse an natürlicher Veränderung, Wachstum und Verfall im vom Menschen gestalteten und genutzten naturnahen Raum. Die Ruderalfläche wird sich entwickeln, verändern zu einer Magerwiese. Über die Jahre hinweg werden Eingriffe nötig sein, um das Wuchern z. B. von Neophyten (eingewanderte Pflanzen wie z. B. die Goldrute) zu verhindern. Dass dieses Konzept trotz Handarbeit weniger aufwändig, mit weniger zeitlichem und damit niedrigerem Kosten-Aufwand zu realisieren ist als der Unterhalt eines üblichen Parks leuchtet (auch dem Steuerzahler) unmittelbar ein.

(Bild)
Blütenpracht einheimischer Pflanzen auf einer Ruderalfläche.
Photo Andreas Scheidegger

Umgestaltete Ruderalfläche aus den Bollensteinen, die unter der Drechslerei als Gesteinskoffer lagen. Der neue freie Blick vom See auf die reformierte Kirche Ende März 2007 ist beeindruckend. Die Kirchenmauer wird saniert.    Photo M. Fritz

Ziel der naturnahen Gestaltung
Das Ziel ist, für die breite Bevölkerung eine Naturoase zu schaffen, in der man sich gerne aufhält und sich entspannen kann: Farben von fast vergessenen Pflanzen sollen erblühen, die das Auge ansprechen und Schmetterlingsraupen als Nahrung dienen. Dies wird unterstützt durch gezieltes Ausstreuen von typischen Wildpflanzensamen. Kinder dürfen im Kies und Sand des renaturierten Bachufers Lebewesen entdecken, auf der Ruderalfläche wühlen und werken oder über Baumstämme balancieren während Begleitpersonen ebenso wie Eidechsen auf Steinen ein Plätzchen finden. Andere freuen sich an den Libellen und an den kleinen Fischen im Teich. Der Fischerverein plant einen Teich damit zu besiedeln. Altere Menschen geniessen auf bequmen Bänken die Aussicht auf See und Alpen und freuen sich an Vogelgesang und Froschgequake – noch überraschender wären Unkenrufe!
Die geplante Vielfalt an ökologischen Nischen soll die Basis für die Entfaltung eines vielfältigen, reichen Lebens für Mensch, Fauna und Flora auf diesem naturnah gestalteten Freiraum bieten – auf dass Leben wieder auftaucht, das sich still und leise aus dem uniformen Einheitsgrün um unsere Wohnsiedlungen verabschiedet hat. Bereits nehmen Lehrer und Lehrerinnen mit Schulklassen von Pfäffikon mit Besuchen auf dem Gelände Anteil an den sich anbahnenden Entwicklungen in unserem neuen Freiraum. Da hat sich wohl aller Einsatz bisher gelohnt!
Marietta Fritz, dipl. Zoologin

 In der konstruktiven Zusammenarbeit für dieses naturnahe Gestaltungsprojekt bin ich Susi Huber und Andreas Scheidegger sehr verbunden.

 

Die ornithologische Bedeutung des «Schellenberg-Kanals»

Text und Bilder Andreas Scheidegger

Der Kanal am Nordufer, welcher von der Pfäffiker Druckerei Schellenberg auf einer Länge von 250 Metern zum See führt, besteht aus Meteorwasser des Siedlungsgebietes mit Trennkanalisation. Dieses ist nicht unbelastet, es enthält Staub, Pneuabrieb, Öl und anderen Schmutz. Trotzdem hat der Kanal eine herausragende Bedeutung für die Wasservögel am Pfäffikersee.
Anders wie der südlich gelegenen Hauptzufluss Chämtnerbach scheint er gar nicht richtig zu fliessen, man hat sogar den Eindruck, er stehe still. Das ist grundsätzlich attraktiv für alle Seevögel. Friert der See zu, drängen sich auch sofort Scharen von Enten, Tauchern und Möwen in das kleine Gewässer, wie übrigens auch in Robenhausen auf dem Seeabfluss, der Aa. Die Vögel vermindern dabei notgedrungen ihre übliche Fluchtdistanz zu den Menschen, um zu fischen oder in der Ufervegetation nach Nahrung zu suchen.
Was eine willkommene Begleiterscheinung für den Beobachter ist, bedeutet für die Vögel einen Stress. Sie sind gewissermassen dauernd auf der Flucht vor den Spaziergängern auf dem parallel verlaufenden Weg. Hunde durchstöbern interessiert das Ufergehölz, während auf der andern Seite Katzen Jagd auf Uferbrüter und Überwinterungsgäste machen. Erschwerend kommt zur Zeit dazu, dass diesen Winter dem Ufer entlang stark entbuscht wurde. Wo sind da noch geeignete Verstecke zu finden?
Im Folgenden seien der Kanal und ein paar seiner gefiederte Bewohner und Gäste kurz vorgestellt:

(mit vielen Bildern)

 

Bemerkung Bührer zu den fehlenden Verstecken:
Es ist ein vielgeliebter Irrtum, zu meinen, man könne in der Natur einen Zustand bewahren und sozusagen einfrieren. Was gemacht werden kann, um die Natur zu “bewahren”, ist im Grunde genommen Management und nicht “Schutz” (= “Nichts Tun”). Daher ist der Pflegeplan ein wichtiges Instrument, welches nicht einen “Endzustand”, sondern eine Abfolge von Massnahmen zeigt. Entbuschungsaktionen sind von Zeit zu Zeit notwendig, sonst würde sich das Gebiet in einen Wald verwandeln, was auch nicht im Sinne der Vogelschützer wäre. Es ist von Vorteil, wenn dies in mehrjährigen Abständen als grosser Eingriff gemacht wird. Die Heckenscheren-Alternative wäre eine Dauerintervention und mit sehr viel mehr Störungen verbunden (und zudem teurer).

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